Die Geschichte des Ortes Bruchsal-Büchenau
 

Um 900 erschlossen sich einige Bruchsaler Bürger eine neue Siedlung in der südlich gelegenen Au, die mit Buchen bewachsen war. Der Flecken wurde Büchelnawe genannt. Im Jahre 1056 schenkte Kaiser Heinrich III. die Ortschaft Bruchsal, sowie Büchenau, Neuthard und Forst der Domkirche zu Speyer. In der Schenkungsurkunde wurde "Büchenau" erstmals erwähnt. Die Schreibweise veränderte sich im Laufe der Zeit von Büchelnawe (1056) über Büchelau (1607) und Büchelnaw (1731) zum heutigen Büchenau. Mit den Jahren entwickelte sich beiderseits des zentralen Baches ein respektables Straßendorf. Die kleine Gemeinde behielt ihr Stadtrecht und hatte somit im Vergleich zu anderen umliegenden Dörfern manchen Vorteil. Das Stadtrecht wurde im Jahre 1455 durch einen Eintrag in das "Gelbe Buch" der Stadt Bruchsal bestätigt: "Ernstlich ist zu wissen, daß Forst, Büchenau und Neuthard auf Bruchsaler Gemarkung liegen und haben mit denen von Bruchsal Stadtrecht." Um das Jahr 1500 war aus dem kleinen Flecken eine angesehene Siedlung geworden, so dass er zur selbständigen Gemeinde sowie zum Pfarrort erhoben wurde. Wann genau Büchenau Pfarrei wurde, ist nicht mehr festzustellen. Jedoch bestand schon im Jahre 1450, als Büchenau zu Bruchsal gehörte, eine Pfarrpfründe zum Lebensunter-halt des jeweiligen Pfarrers. Eine Pfarrkirche wird erstmals im Jahre 1468 erwähnt. Sie wurde dem heiligen Bartholomäus geweiht. Die "Hanfwaage", im Jahre 1531 von Bischof Philipp zu Speyer "seinen lieben Angehörigen zu Büchelnaw" verliehen, wird heute noch im Wappen der Gemeinde - Hanfwaage über einem liegenden Tabakblatt - gewürdigt. Beide Wappenteile sind Symbole für die landwirtschaftliche Arbeit, welche Büchenau über Jahrhunderte Lohn und Brot bescherte. Im Jahre 1777 wurde auf der Hanfwaage erstmals Tabak gewogen. Diese Nutzpflanze verdrängte gegen Ende des 19. Jahrhunderts den Flachsbau und stellt bis heute eine wichtige Erwerbsquelle für viele Büchenauer Bürger dar. Im Jahre 1607 zählte Büchenau 72 "zinsende" Bürger, die Gesamteinwohnerzahl (mit Tagelöhnern) ist mit geschätzten 400 nicht zu hoch angesetzt. Der 30jährige Krieg hat das Dorf nicht verschont. Er brach 1634 über die Gegend herein. Es wurde gemordet und geplündert und nur ein Viertel der Bevölkerung hat die Drangsal überlebt. Nur drei Familiennamen haben sich bis heute erhalten: Henecka, Meier und Zimmermann. Das Dorf war zu Ende des 17. und zu Beginn des 18. Jahrhunderts erneut Erpressungen, Plünderungen und sonstigem Unheil ausgesetzt, erholte sich jedoch wieder. Im Jahre 1803 fiel Büchenau an das Großherzogtum Baden.
 

 


Abend am Büchenauer See
 

Am 2. Februar 1945, in der Nacht gegen 23 Uhr, flog ein Bombengeschwader der Alliierten die Ortschaft an. Die Bomber warfen Luftminen , Phosphorkanister und Brandbomben. Der Ort war ein riesiges Flammenmeer und wurde zu einem grauenhaften Trümmerfeld. 80 % der Gebäude waren zerstört, 14 Menschenleben waren ausgelöscht. Aber mit neuem Mut machte man sich in der Zeit nach Beendigung des 2. Weltkrieges an den Wiederaufbau. Der intensive Tabakanbau war ein Segen in dieser Zeit als ein gutes Tauschobjekt zur Beschaffung von Baumaterialien. Schon bald zeigte sich Büchenau in einem neuen Gewande. Wie überall entstanden in der Folgezeit auch in Büchenau neue Wohngebiete. Eine neue Schule und ein Kindergarten wurden gebaut. Der Strukturwandel der Landwirtschaft veranlasste viele Bürger sich um andere Arbeitsmöglichkeiten zu bemühen. Das nahegelegene Kernforschungszentrum, Industriebetriebe in Bruchsal, in Karlsruhe und Umgebung, Kasernen und Polizeischule schufen die notwendigen Arbeitsplätze. Das vielseitige Beschäftigungsangebot im Umfeld lockte aber auch viele Bundesbürger aus anderen Gegenden in unseren Raum. So siedelten sich viele Neubürger in unserer Gemeinde an und fanden hier in Büchenau eine neue Heimat. Ein gut funktionierendes Vereinsleben begünstigte die Integration in unsere Dorfgemeinschaft außerordentlich. So ließ eine hohe Zuwachsquote die Büchenauer Bevölkerung bis heute auf 2000 Einwohner ansteigen. Am 1. Juli 1972 wurde Büchenau im Rahmen der Gemeindereform nach Bruchsal eingemeindet. Und die Büchenauer sind jetzt mit der Geschichte der Gesamtstadt Bruchsal wieder enger verbunden. Quasi hat Bruchsal nach rund 1000 Jahren seine Töchter und Söhne wieder.